Unterlagen und Aussagen zum Tod von Karl Gabriel

Mit einem Schreiben vom 29.04.1922 regte der Schrobenhausener Polizei-Oberwachtmeister Ludwig Meixl bei den ermittelnden Beamten in München an, aufgrund der bisher erfolglosen Ermittlungen den Tod von Karl Gabriel überprüfen zu lassen und stellt fest: "Die Umstände, unter denen die Mordtat begangen wurde, läßt die bestimmte Vermutung zu, dass der Täter mit den einschlägigen Verhältnissen aufs beste bekannt gewesen sein muß." Meixl lag damals eine "im Schrobenhausener Wochenblatt seinerzeit erschienene Todesanzeige" vor, nach der Karl Gabriel am 12.12.1914 bei Neuville gefallen war.

Auf Anfrage wird vom Zentralnachweisamt für Kriegsverluste und Kriegsgräber mit Datum vom 02.05.1922 mitgeteilt: "Ers.Res. Karl Gabriel der 6. Komp bayr. Res Inf. Rgt. 13, geb. 16.12.80 zu Laag, Oberbayr., gefallen am 12.12.1914 bei Neuville (Arras, Nordfrankreich), liegt in der Schützengrabenstellung seiner ehemaligen Komp. beerdigt. Diese vorliegende Meldung trägt die Unterschrift des damaligen Rgts. Kommandeurs, deren Richtigkeit kaum zu bezweifeln sein wird." Für Unterlagen, die seine aktive Dienstzeit betreffen, wird auf das Reichsarchiv (Zweigstelle Würzburg) verwiesen.

Der Witwe Viktoria Gabriel wurde mit Datum des 21.12.1914 der Tod ihres Mannes am 12.12.1914 mitgeteilt. Anfang 1915 wurde von ihr beim Amtsgericht Schrobenhausen der Erbschein beantragt. (Reg.Nr. 188/14).

Da die Ermittlungen im Mordfall Hinterkaifeck immer noch ergebnislos geblieben waren, wurde Ende 1923 beim Reichsarchiv, Zweigstelle Würzburg, angefragt, welche Soldaten seinerzeit mit Karl Gabriel im Feld gestanden hätten. Mit Datum vom 07.12.1923 wird der Tod von K.G. bestätigt und es werden die Namen von 20 Kameraden genannt, die gleichzeitig mit ihm am 08.12.1914 an die 6. Kompanie, R.I.R. 13, abgestellt wurden.

Die Befragung dieser Soldaten zielte nicht darauf ab, den Tod des Karl Gabriel nochmals bestätigen zu lassen. Die Ermittler vermuteten, daß K.G. einem der Kameraden Details etwa zu den Vermögensverhältnissen der Hinterkaifecker mitgeteilt hätte, und daß einer dieser Soldaten als Täter in Frage kommen könnte. Die Polizeidienststellen der Heimatorte der Soldaten wurden gebeten, diese ausfindig zu machen, sie zu befragen, ob sie K.G. schon vorher oder erst im Felde kennengelernt hätten und ob sie "seinerzeit irgendwelche Wahrnehmungen gemacht (haben), die möglicherweise mit dem Raubmord in Hinterkaifeck in Zusammenhang gebracht werden können, oder auf die Person des Täters schließen lassen".

Die ehemaligen Soldaten Xaver Steger (Obereggenbach, BA Mallersdorf) und Ignatz Schmidl (Freinhausen, BA Schrobenhausen) gaben an, K.G. erst im Feld kennengelernt zu haben. Schmidl sagt aus, daß Gabriel "nicht das geringste von seiner Familie oder Vermögensverhältnissen erzählt" habe.

Ausführlicher - und über den Fragenkatalog der Münchener Ermittler hinaus - äußert sich der Landwirt Sebastian Huber (Aiglsbach, BA Mainburg). Er könne sich an K.G. erinnern, dieser sei ein großer Mann gewesen, "gesichtsweise" habe er ihn schon im Rekrutendepot Kösching gekannt. Anfang Dezember seien sie dann zusammen ins Feld abgestellt worden.

Aus dem Protokoll der Aussage von Sebastian Huber vom 17.12.1923:

"Am 11.12.14 seien sie in Nordfrankreich angekommen und am 12.12. abends habe er mit Gabriel auf Posten vorgehen müssen. In dieser Nacht, am 12./13.12 sei Gabriel gleich gefallen, so daß er im Schützengraben oder in Feindesland keine Anknüpfungen hatte."

Aufgrund der Befragung der Soldaten konnte auch einer der damaligen Vorgesetzten ermittelt werden. Josef Brunner aus Wurmdorf, (A.G. Rottenburg, Niederbayern) gab an: " Ich war Unteroffizier beim 13. Res Inf. Rgt., 6. Komp., 3. Zug. Am 10.12.14 bin ich schon das 2.mal im Feld nachgerückt. An diesem Tag hat es bei Arras sehr vielen Leuten das Leben gekostet u. sohin kamen alle Tage andere Leute an die Feuerlinie. An Karl Gabriel kann ich mich ganz gut erinnern. Er war Ersatzreservist, wird wahrscheinlich erst anfangs Dezember ins Feld gekommen sein u. am 12.12.14 kam er in meinen Zug. Vormittags gegen 10 h ist er schon gefallen; ihn hat eine Mine getötet. Seinen Tod habe ich dem Feldwebel gemeldet u. deshalb ist mir der Name noch im Gedächtnis."

Sowohl der Landwirt Nikolaus Haas aus Rachelsbach als auch Josef Bichler aus Waidhofen bestätigen ... vorbehaltlos den Tod von Karl Gabriel. Bichler, der etwa 300m von der Stellung des K.G. entfernt eingesetzt gewesen sei, sagt aus, daß er einige Zeit nach dem 12.12. - nach seiner Ablösung - von Kameraden von dessen Tod erfahren hätte. Gabriel sei sofort tot gewesen, "es war ein Minenschuß". Am ersten Weihnachtsfeiertag sei er dann mit Haas zur benachbarten Einheit, um mehr über den Tod des K.G. in Erfahrung zu bringen. Beide hätten die noch vor dem Schützengraben liegende Leiche gesehen: "Sie lag auf dem Rücken. Die Stirn war leicht gespalten, der Mund war offen und man sah, daß auch der Unterkiefer verletzt war. Trotzdem aber war der Tote einwandfrei als Karl Gabriel zu erkennen."

Josef Bichler habe damals der Witwe Viktoria Gabriel einen Brief geschrieben und sie bei einem späteren Heimaturlaub auch besucht.

Bichler gibt ausserdem an, zu diesem Sachverhalt schon 1922 vom Polizeibeamten Goldhofer von Hohenwart befragt worden zu sein. Unterlagen darüber sind heute offenbar nicht mehr vorhanden.

Sophie Fuchs aus Gröbern gibt am 14.02.1984 anläßlich einer Befragung durch Kommissar Müller folgende Darstellung: "Mei Schwiegervater, der Fuchs Michael von Reichelsbach (Anm.: Rachelsbach?) und der Bichler von Waidhofen, die waren nämlich dabei, wie´s den Gabriel im 1. Weltkrieg eingrab´n ham. Damals ham´s nämlich alle immer von eine Ortschaft oder einem Kreis in eine Kompanie g´steckt. Und dann sind bei diesen Schlachten oft sehr viele g´fallen und damit war des für ein Dorf oft ein großer Verlust. Später hat man dann die Mannsleut in andere Kompanien verteilt."

(Anmerkung: Die Aussage der Sophie Fuchs, die lediglich auf Hörensagen beruht, und deren Angabe, daß Josef Bichler bei der Beerdigung von Karl Gabriel dabeigewesen sei, mit einiger Sicherheit unrichtig ist, ist einerseits der Vollständigkeit halber beigefügt. Es steht aber immerhin im Raum, daß andere Bekannte Karl Gabriels - etwa ihr späterer Schwiegervater - 1914 vor Ort waren und vom Ableben des G. zumindest zeitnah Kenntnis erlangt haben.)

R.P.
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