Die inzestuöse Beziehung Viktoria Gabriel - Andreas Gruber

Das Verhältnis zwischen Andreas Gruber und Viktoria Gabriel

Das Thema Blutschande zwischen Andrea Gruber und seiner Tochter Viktoria Gabriel gehört wie kein anderes zur Lebensgeschichte der Opfer. Vater und Tochter standen zweimal in ihrem Leben wegen Blutschande vor Gericht. Im Jahre 1915 wurden sie wegen Blutschande verurteilt, im Jahre 1920 wurden sie vom Vorwurf der Blutschande freigesprochen.

Vaterschaft von Josef Gruber und entsprechende Prozesse

Viele Nachbarn haben später über die Blutschande geredet. Es bleibt aber offen, seit wann sie etwas über die Blutschande wussten und woher sie ihr Wissen hatten.
Konkret bekannt ist aus den Akten nur, dass die erste Ehefrau von Lorenz Schlittenbauer etwas über die Blutschande wusste, weil Viktoria sie ihr gegenüber gestanden haben soll und dass Lorenz Schlittenbauer später vor Josefs Geburt der Urheber von weiteren Blutschande Gerüchten war und dann auch Anzeige wegen Blutschande erstattet hat, weil Viktoria ihm gegenüber die Blutschande eingeräumt haben soll.

Das Landgericht Neuburg hat im Strafverfahren von 1915 Blutschande lediglich im Zeitraum von 1907 bis Sommer 1910 als erwiesen angesehen. Allerdings bleiben die Angaben im Urteil zur Blutschande sehr vage, denn es werden weder ein genauer Tatzeitpunkt noch ein Tatort noch die Anzahl der Taten genannt, lediglich ein langer Tatzeitraum wird angegeben.
Trotz dieser dürftigen Fakten sind die Angeklagten verurteilt worden, weil das Gericht damals von ihrer Schuld überzeugt war. Dennoch bleiben bei nüchterner Betrachtung Zweifel ob das Urteil zu Recht ergangen ist, eben weil keine näheren Tatumstände zur Blutschande genannt werden, als dass man von ihrer tatsächlichen Schuld im Nachhinein überzeugt sein konnte.

Im Jahre 1920 wurden Andreas Gruber und seine Tochter vom Vorwurf der Blutschande im Zusammenhang mit der Zeugung des kleinen Josef freigesprochen, weil die Neuburger Richter die eidliche Aussage des Kindsvaters, Viktoria habe ihm gegenüber die Blutschande eingeräumt, als zur Verurteilung nicht ausreichend erachtet haben.

Ob überhaupt und gegebenenfalls wie lange und wie intensiv Blutschande zwischen Vater und Tochter stattgefunden hat, ist Glaubenssache.

Gegen eine regelmäßige Blutschande spricht zumindest, dass Viktoria Gabriel in der Zeit ihrer Geschlechtsreife bis zur Verehelichung keine Kinder zur Welt gebracht hat und während ihrer Witwenschaft hat sie nur ein uneheliches Kind geboren als dessen Vater sie Lorenz Schlittenbauer angegeben hat. Das stützt den Glauben daran, dass Blutschande, wenn überhaupt, selten stattgefunden und zumindest nach 1910 überhaupt nicht mehr stattgefunden hat.

Zwar hat nach dem Mord die ehemalige Magd Kreszenz R. ausgesagt, sie habe im Sommer 1921 während ihrer Anwesenheit auf dem Hof Blutschande zwischen Vater und Tochter in der Scheune beobachtet, doch ist Skepsis hinsichtlich der Glaubhaftigkeit der Aussage angebracht, denn die Hinterkaifecker konnten sich gegen den Vorwurf nicht mehr verteidigen.
Außerdem hat die Magd in ihren Aussagen in erster Linie immer das bestätigt, was die Polizei von ihr hören wollte. Aus diesem Grunde hat sie auch zunächst die Bichler Brüder und später die Thaler Buben der Tat bezichtigt, je nachdem wen die Polizei mehr verdächtigt hat. Sie gab auch zu, dass ihr Zärtlichkeiten zwischen Vater und Tochter nie aufgefallen seien, sondern dass sie beide erst "erwischt" habe, als sie von Jugendlichen aus Gröbern auf die Blutschande hingewiesen worden sei.

Interessant ist nicht zuletzt die Frage, wie Blutschande Anfang des 20. Jahrhunderts in der bäuerlichen Bevölkerung beurteilt wurde. Damals standen Kinder unter der Gewalt der Eltern, in erster Linie unter der Gewalt des Vaters. Kraft seines Erziehungsrechtes konnte der Vater angemessene Zuchtmittel gegen das Kind anwenden. Er durfte das Kind also von Gesetzes wegen schlagen. Auch die bayerischen Schulgesetzte erlaubten damals als Erziehungsmittel Schläge wegen "Bosheit des Herzens", "Faulheit" und "Verführung anderer Schüler".

In der damaligen Zeit war das Schlagen von Kindern als Erziehungsmethode somit weit verbreitet und es war auch gesellschfaftlich akzeptiert. Wenn schon kaum jemand an Schlägen gegen Kinder Anstoß nahm, dann liegt es nahe, dass auch Geschlechtsverkehr zwischen Vater und Tochter keinen solchen negativen Stellenwert wie heute hatte, wo auch Kinder Persönlichkeitsrechte haben, die geachtet werden müssen.

Es könnte daher sein, dass Andreas Schwaiger, die Meinung des Volkes zum Thema Blutschande ganz treffend wiedergegeben hat, indem er Blutschande als etwas umschrieb für das Gruber ins Zuchthaus musste, nur weil herausgekommen war, dass er " mit der Viktorie spielen tut". Keinesfalls kann man davon ausgehen, dass die Hinterkaifecker von der Dorfgemeinschaft geächtet wurden, als herauskam, dass sie wegen Blutschande bestraft worden sind.

Obwohl Blutschande aufgrund der wenigen bekannten Tatsachen Glaubenssache ist und auch durch ein Urteil nur in einem frühen Zeitraum angenommen worden ist, wurde immerwährende Blutschande in Veröffentlichungen zum Thema Hinterkaifeck oft als Fakt dargestellt, so geschehen beispielsweise im Hieber-Film, in dem zu sehen war, wie "Andreas Gruber" lüstern seine Tochter im Stall bedrängt hat oder im Projektbericht der FFBler, wo beispielsweise die beiden Heukuhlen auf dem Dachboden als Liebeslager von Vater und Tochter gedeutet wurden oder im Tannöd Roman wo der ermordete Altbauer als Lustmolch dargestellt wurde, der seinen Trieb nie im Zaum halten konnte.

Diese Darstellungsweise wird den Opfern nicht gerecht. So haben sie nicht nur ihr Leben verloren sondern auch noch ihren Ruf.

©AngRa
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