Die Aussagen von Franziska Schäfer und Bernhard Gruber

Die Aussagen von Franziska Schäfer, Schwester der Magd Maria Baumgartner und Bernhard Gruber, Bruder des Opfers Andreas Gruber:


Hinterkaifeck, 5.4.22

5.Person:

Franziska S c h ä f e r, geb. Baumgartner
Kleingütlersehefrau, Ehmann Josef, wohnhaft in Mühlried, Bez. Amt Schrobenhausen

Ich habe mir die in dem Stübchen neben der Küche gelegene tote Frauensperson angesehen; Ich erkenne in der Toten meine Schwester Maria Baumgartner geb. 77 in Kühbach; Ich erkenne sie bestimmt wieder an ihren Schuhen an ihren Kleidungsstücken und auch an ihren wulstigen Lippen, der Rucksack, der im Stübchen liegt ist Eigentum der Bäuerin Anna Birner in Kühbach. Sie hat sich diesen von ihr entliehen. Sie war vom 7. Juli 1921 mit 3.2.22 bei dem Schreiner Huber in Pörnbach als Dienstmagd in Stellung. Von da an hat sie sich in Mühlried und in Kühbach aufgehalten. Am 31.3.1922 ist sie von Mühlried weg und trat bei dem Bauern Gabriel in Hinterkaifeck als Dienstmagd in Stellung. Seit 31.März habe ich sie nicht mehr gesehen.

v.u.u.


6. Person:

Es erscheint der verh. Gütler
Bernhard G r u b e r, wohnhaft in Strobenried Hs. No.8 und gibt an:
Ich habe keine Kenntnis ob und welche Wertsachen, Gold, Silber, Pfandbriefe usw. mein verlebter Bruder Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäcilie, sowie deren Tochter Gabrilie (sic!) besessen haben. Mein Bruder war in solchen Sachen sehr zurückhaltend u. hat sich mir gegenüber in solchen Sachen nicht ausgesprochen.
Vor ungefähr 6 Wochen erzählte mir mein verlebter Bruder Andreas in Schrobenhausen, dass er sich einen Knecht einstellen wolle, er habe aber bedenken ob dieser zu ihm wolle und bleibe. Ich habe diesen Knecht auch angesehen. Beide standen vor der Porstenbrauerei. Ich bin aber nicht in der Lage eine Beschreibung von diesem Knecht abzugeben.
Er mag 24 oder 26 Jahre alt gewesen sein, war mittelgroß u. glaublich ohne Bart. Er hatte gesundes Aussehen und runden Kopf, die Kleidung war abgetragen, an die Farbe kann ich mich aber nicht mehr erinnern.

Vor 14 Tagen traf ich meinen Bruder Andreas in Schrobenhausen wieder, er sagte mir, dass er den fragl. Knecht nicht hab halten können. Nach Angabe meines Bruders soll der Knecht früher in Bergengau oder deren Umgebung in Dienst gewesen sein. Er hat dort einen Koffer holen wollen, der Bauer hat sie ihm aber nicht herausgegeben. So viel ich gehört habe, soll dieser Knecht bei seinem früheren Arbeitgeber in Bergengau wieder in Arbeit getreten sein. Wie lange der Knecht bei meinem Bruder arbeitete, weiß ich nicht, er soll sehr fleißig gewesen sein. Ich bin nichthin inder Lage Auskunft geben zu können, ob u. mit welchen Personen die Ermordeten auf freundschaftlichem Fuße standen. Ich kann auch nicht sagen ob zur Familie Gabriel bzw. Gruber bestimmte Hamsterer gekommen sind u. auch genächtigt haben.

v.g.u.


Quellenhinweis:
Die  eingestellten Akten werden im Staatsarchiv München unter der Archivsignatur
PolDir 8091B
verwahrt.



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