Ermittler am Tatort


Die ersten "Ermittler" vor Ort waren:

Georg Reingruber

Georg Reingruber ist am 23.12.1866 in der Einöde Tölznöd bei Amsham im Bezirksamt Vilshofen als Sohn eines Schuhmachers geboren, der nebenbei auf dem Einödhof eine kleine Landwirtschaft betrieb.

Nach einer Militärzeit von zwei Jahren und zehn Monaten diente er ab 21.3. 1891 bis 1.12. 1894 in der kgl.-bayerischen Gendarmerieschule in München als „Gendarm zu Fuß“. Unter dem 1.12.1894 wurde ihm ein Gendarmerie-Führungs-Attest ausgestellt. Ihm wurde bescheinigt, dass er als Gendarm zu Fuß eine sehr befriedigende Führung gepflogen habe, dass er sich als eifrig, zuverlässig und entschlossen erwiesen habe und sittlich und moralisch ohne Tadel gewesen sei.

Er wurde zum 1.12.1894 aus der königlichen Gendarmerie – Kompagnie entlassen, weil er aufgrund einer „Dienstbeschädigung“ invalide geworden war. In einer Urkunde wurde ihm bescheinigt, dass er hiernach Anspruch auf vorzugsweise Berücksichtigung bei Bewerbung um eine Subalterne oder Unterbeamtenstelle habe.

Am 28.8.1895 ist Reingruber daraufhin die Stelle eines Polizei-Funktionärs bei der kgl. Polizei-Direktion in München verliehen worden. 1901 legte er dort die Prüfung für den Offiziantendienst mit der Note II ab. Vom 1. Januar 1909 an wurde er zum Sicherheitskommissär ernannt.

Von 1910 bis 1917 leitete er die Sittenpolizei in München.

Im Jahre 1919 erhielt er eine Belobigung für Ermittlungen im Münchner Geislmord von 1919 ( Fritz Seidel u.a.)

1922 gehörte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1930 dem Referat I der Kriminaldirektion an, das für Kapitalverbrechen in ganz Bayern zuständig war.

Georg Reingruber war verheiratet und hatte vier Kinder.

Er leitete als erster Polizeibeamter die Ermittlungen im Mordfall Hinterkaifeck und war am 5.4.1922 persönlich am Tatort Hinterkaifeck.

Georg Reingruber ist am 25. April 1955 verstorben.
 

Martin Riedmayr

Martin Riedmayr, der nach der Pensionierung von Kriminalinspektor die Ermittlungen im Mordfall Hinterkaifeck leitete, hat ein interessantes Leben geführt.

Über seine Person und seine genauen Lebensumstände ist aus gutem Grund sehr wenig bekannt, denn man sagt ihm nach, dass er nach dem zweiten Weltkrieg geheimdienstlich tätig war und zwar für die Organisation Gehlen.

So gestaltet sich die Spurensuche nach ihm schwierig. Man kann aufgrund einer im Staatsarchiv München befindlichen Personalakte eines Polizisten Martin Riedmayr, bei dem es sich sehr wahrscheinlich um seinen Vater gehandelt hat, vermuten, dass Martin Riedmayr 1896 in München geboren ist.

Seine Karriere begann am Anfang ziemlich unspektakulär. Nach dem ersten Weltkrieg war er im mittleren Dienst bei der Polizeidirektion München tätig, zunächst als Polizeihauptmann. Ab 1930 trat er die Nachfolge von Georg Reingruber an und leitete als Kriminalinspektor die Mordabteilung bei der Münchner Polizeidirektion. Während dieser Zeit verfasste er umtriebig einige Berichte in kriminalistischen Zeitschriften über interessante Fälle mit denen er zu tun hatte, den Mordfall Hinterkaifeck aber hat er nicht erwähnt, vermutlich weil auch er ihn nicht lösen konnte, denn zur Darstellung eignen sich natürlich vor allem solche Fälle in denen ein Täter überführt werden konnte.

Riedmayr nahm am zweiten Weltkrieg teil, am Ende des Krieges war er Oberstleutnant der Schutzpolizei.

In den Polizeidienst kehrte er nach dem Krieg nicht zurück.

Er hatte Beziehungen zu Kronprinz Rupprecht von Bayern ( * 1869-1955) geknüpft und lebte bis zum Jahr 1951 bei ihm auf Schloss Leutstetten. Als Monarchist kandidierte er im Jahr 1950 für die Heimat-und Königspartei.

Er war dann vermutlich geheimdienstlich tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeit war er zur Führung eines Decknamens berechtigt. Er unternahm viele geheimnisvolle Auslandsreisen , war siebenmal verheiratet und im Jahre 1954 wurde er zum Leiter des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz berufen.
 

Ramer, Josef (*11.05.1861, +08.02.1923)

Josef Ramer stammt aus Wolfstein im Bezirk Landshut. Er war Jurist und als Polizeidirektor Leiter der Kriminalabteilung der Münchner Polizeidirektion. Er war der Vorgesetzte von Georg Reingruber und als solcher über den Fortgang der Ermittlungen im Mordfall Hinterkaifeck unterrichtet.

Er war Angehöriger einer schlagenden studentischen Verbindung, Korpsbruder von Dr. Friedrich Sandner, Spezialarzt für Gemüts-und Nervenkranke aus Nürnberg. Ramer initiierte daher die spiritistische Sitzung im Mai 1922 mit den sechs Schädeln der Opfer von Hinterkaifeck, die Dr. Sandner mit zwei Medien durchgeführt hat.

Nach Recherchen von @Konstanz ( allmystery Beitrag vom 6.12.07, 13.02 Uhr, S. 468) war Ramer seit 1922 Mitglied des Corps Baruthia Erlangen im Kösener Senioren Conventsverband. Sandner war seit 1898 Mitglied in dieser Verbindung.

Er verstarb am 8.2.1923 im Dienst während einer Vernehmung, die er persönlich durchgeführt hat.

 A.R.

Polizei 1920
Ein historisches Bild von der Verkehrsabteilung der
Augsburger Polizei aus dem Jahr 1920
(Quelle: Staatsarchiv München)

Die örtliche Gendarmerie am Tatort

Für den Tatort Hinterkaifeck waren als örtliche Gendarmerien die Gendarmeriestation Hohenwart und die Gendarmerie -Hauptstation Schrobenhausen zuständig.

1922 waren die Gendarmerien, die bis 1919 militärisch strukturiert waren, von der Armee losgelöst und unterstanden ziviler Kontrolle durch das Land oder durch die Gemeinden. Die Gendarmriestationen Hohenwart und Schrobenhausen unterstanden der Kontrolle des Bezirksamtes Schrobenhausen.

Bis 1919 verkörperten die Gendarmen ausschließlich Obrigkeit, denn sie hatten für die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Mit der Loslösung vom Militär ging auch mehr Bürgernähe einher. Es kristallisierte sich allmählich der Leitgedanke heraus: „Die Polizei, Dein Freund und Helfer“.

Zumindest beim Amtsgericht Schrobenhausen stand die Gendarmerie Hauptstation Schrobenhausen im Ruf zu bürgerfreundlich zu sein, denn in einem Schreiben aus dem Jahr 1924 an das Bezirksamt Schrobenhausen kritisierte der damalige Amtsgerichtsvorstand Schöntag, dass die Gendarmen insbesondere im Zeitraum ab 1922 keinen Häftling ins Amtsgerichtsgefängnis abgeliefert haben, (wobei es hauptsächlich wohl um die Inhaftierung von Vaganten ging) und dass diesen Gendarmen strengster Vorhalt zu machen sei.

Am 4.4.1922 erfuhr zunächst die Gendarmeriestation Hohenwart von dem scheußlichen Verbrechen in Hinterkaifeck. Stationskommandant war damals Sicherheitskommissär Georg Goldhofer. Ihm unterstanden ein Oberwachtmeister und der Wachtmeister Alois Blank.

Von den Hohenwarter Gendarmen wurde die Gendarmerie Hauptstation in Schrobenhausen verständigt, die damals vermutlich mit vier Gendarmen besetzt war.

Einer der Gendarmen war der damals 26jährige Hans Anneser, der am 5.u.6.4.1922 am Tatort war und bei der Durchsuchung des Anwesens half. Viele Jahre später, 1949, hat er im Rahmen von damaligen Ermittlungen in einem Brief an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Augsburg die Arbeitsweise von Kriminalinspektor Reingruber kritisiert, weil dieser sich 1922 vorschnell auf Josef Bärtl als Täter festgelegt hatte.

Zur Gendarmeriestation Schrobenhausen gehörte damals auch Oberwachtmeister Ludwig Meixl, der später den Verdacht äußerte Karl Gabriel könne den Krieg überlebt haben und sei vielleicht mit einem Gefangenentransport zurückgekehrt.

Eine der ersten Aufgaben der Gendarmen bei eintreffen am Tatort war die Sicherung des Tatorts und vermutlich auch das Beruhigen der schockierten Nachbarn.

Zur Arbeit der örtlichen Gendarmerie gehörte auch das Bewachen des Tatorts in der Nacht, so lange die Opfer noch auf dem Hof waren und sich viele Schaulustige eingefunden hatten. Ob sie diese Aufgabe aber über die erste Nacht hinaus wahrgenommen haben, ist nicht mehr feststellbar. Zumindest haben Nachbarn später darüber berichtet, dass sie jeweils zu zweit immer für einige Stunden zur Nachtwache eingeteilt waren. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass die Gendarmen in den folgenden Nächten nicht mehr vor Ort waren.

A.R.