
HINTERKAIFECK
Deutschlands rätselhaftester Mordfall
In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 werden sechs Menschen bestialisch mit einer Kreuzhaue erschlagen. Die Opfer sind Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäzilia, seine verwitwete Tochter Victoria Gabriel, deren siebenjährige Tochter Cäzilia und der zweieinhalbjährige Sohn Josef sowie die für Kreszenz auf den Hof gekommene Magd Maria Baumgartner.
Vermutlich wurden sie nacheinander in der stürmischen Nacht nacheinander durch eine Kuh, welche losgebunden und unruhig war, in den Stall gelockt.
Eine spätere Obduktion ergab, riss sich das siebenjährige Mädchen in einem zweistündigen Todeskampf büschelweise die Haare aus.
1986 fand in Hallbergmoos bei Freising die letzte Vernehmung zum Mordfall Hinterkaifeck statt.
Der oder die Täter wurden nie gefasst, daher halten die Verdächtigungen und Mutmaßungen nach wie vor an, die Menschen der Region beschäftigt die Tat auch nach über 85 Jahren bis in die heutige Zeit
Peter Leuschner, ein Münchner Journalist, recherchiert in dem Fall schon seit über zwei Jahrzehnten, hat die bayrischen Archive durchkämmt und zu der Mordsgeschichte Bücher veröffentlicht, welche die gruseligen Vorgänge in der Nacht der Tat als auch die damaligen schleppenden Ermittlungsarbeiten der Polizei beschreibt.
(Peter Leuschner: "Hinterkaifeck". Apus-Verlag, Hofstetten)
Auch Konrad Müller, Kriminalkommissar a.D., lässt der Fall schon seit Jahrzehnten nicht mehr los. Über zehn Aktenordner hat er an zusätzlichem Material gesammelt und bis nach Russland recherchiert, ob ein Fünkchen Wahrheit in der Geschichte mit einem russischen Kommissar steckt, der bayrisch sprach und deutsche Kriegsgefangene entließ, weil sie aus der Nähe von Hinterkaifeck kamen.
Nach erst vier Tagen wurde die Tat und die Opfer entdeckt. Unter der gewissenhaften Leitung von Oberinspektor Georg Reingruber, welcher aber durch die Untersuchung rechter Fememorde in Bayern überlastet ist, wird in einem Klima wahrer Hysterie ermittelt.
Mit Werkzeugen und Sensen bewaffnet streifen hunderte von Bauern durch die Wälder und suchen die Mörder. Alle Fremden wie oberschlesische Vertriebene, Hausierer und Banden werden verdächtigt.
Schnell deckt Oberinspektor Reingruber immerhin auf, daß Altbauer Gruber Inzest mit seiner 35 Jahre alten verwitweten Tochter trieb; der kleine Josef galt als Kind dieser Verbindung. Schon 1919 war Gruber wegen Blutschande zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. In der Öffentlichkeit sagte er, nachdem sein Schwiegersohn im Ersten Weltkrieg gefallen war: "Mei Tochter braucht keinen Mann mehr, dafür bin i da.
Als offizieller Vater des kleinen Josef gilt der Nachbar Lorenz Schlittenbauer, mit dem die junge und schöne Witwe demonstrativ ein kurzes Verhältnis hatte.